Punkte an denen Eltern ein gutes Kindertraining im Fußball erkennen

Fußballtraining für Kinder - Auf Augenhöhe

Es war längere Zeit ruhig auf unserer Facebook-Site und im Blog. Das hatte verschiedene Gründe unter anderem stand der Besuch von verschiedensten Seminaren auf dem Programm, sowie die Anmeldung zum UEFA-Pro Diplom (Anm. Fußballlehrer in Österreich) und die Ausarbeitung eines Kursprogrammes für Fußballtrainer. Dieses Kursprogramm werden wir in den nächsten Wochen veröffentlichen und wir können euch garantierten, dass es euch eure Teams und euer Fußballtraining auf ein ganz neues Level bringen wird.

Heute starten gibt es ein paar Punkte, wie ihr ein gutes Kindertraining im Fußball erkennen könnt. Diese Punkte sind nicht nur für Eltern gedacht, sondern auch für alle, die bereits jetzt Trainer oder Trainerin sind, um ihr eigenes Tun zu hinterfragen und sich zu entwickeln.

Es wird Personen geben, die sehr vieles davon schon umsetzen und es wird auch diejenigen geben, die wenig bis gar nichts davon im Fußballtraining für Kinder beherzigen. Es ist jedem selbst überlassen, was er macht, dennoch sollte immer im Hinterkopf behalten werden: „Es geht um die sportliche Zukunft der Kinder.“ Und aus diesem Grund, sollten v.a. TrainerInnen sehr bemüht sein, sich ständig selbst zu verbessern, um den Kindern ein gutes Training bieten zu können.

Die Organisation des Fußballtrainings

Ein gutes Training ist von Anfang bis zum Ende gut geplant. Dies erkennt ihr daran, dass bereits vor Trainingsbeginn alles entsprechend aufgebaut ist und das Training sofort starten kann. Es sind alle Utensilien wie Markierungsleibchen, Bälle, Hütchen etc. griffbereit und nichts muss nachgeholt werden. Ebenso sind die Spielfelder derart gestaltet, dass der Coach mit wenigen Handgriffen eine völlig neue Situation für die Kinder schaffen kann.

Ein weiteres wichtiges Kriterium für eine gute Organisation ist die Stehzeit der Kinder. Ein guter Coach baut dieselbe Übung/Spielform mehrmals auf, wenn die Anzahl der Kinder größer wird. Somit verkleinert sich die Gruppengröße und die Wiederholungsanzahl steigt. Dabei ist es nicht unbedingt nötig, dass man einen Assistenztrainer hat, auch allein ist es möglich dies entsprechend umzusetzen. So kann man ein Spielfeld für das Coaching nutzen und im zweiten Spielfeld dürfen die Kinder selbst probieren die Situation zu lösen.

Die Schwerpunkte im Fußballtraining

Der gewählte Schwerpunkt sollte sich wie ein roter Faden durch das ganze Training ziehen. So sollten Übungen und Spielformen gewählt werden, die den entsprechenden Schwerpunkt berücksichtigen. Es macht nämlich wenig Sinn, wenn der Torschuss im Vordergrund stehen soll, aber mehr als die Hälfte der Zeit mit Passschleifen gearbeitet wird. Ebenso verhält es sich mit dem Coaching. Wenn ich den Torschuss verbessern möchte, dann muss ich mein Coaching auch auf den Torschuss beschränken. Natürlich kann ich auch das Passspiel mit aufnehmen, dennoch ist der Torschuss in dieser Einheit das wichtigste und deshalb sollte auch das Hauptaugenmerk in jeder Situation daraufgelegt werden.

Die Variation im Fußballtraining

Kinder, Jugendliche und Erwachsene lieben Variation, oder noch einfacher gesagt – unser Gehirn liebt Abwechslung und hasst Eintönigkeit. Daher ist es wichtig, dass in einem Training viele verschiedene Situationen kreiert werden, die immer wieder zu neuen Problemen führen, die die Kinder lösen müssen und können. Somit bleibt die Aufmerksamkeit hoch und es tritt keine Langeweile auf. Durch ständig neue Impulse wird der Forscherdrang in den Kindern geweckt und diese lieben es neue Dinge zu erkunden und dadurch zu lernen. Auch wenn viele der Meinung sind, dass Einschleifen unabdingbar ist, um gute SpielerInnen zu entwickeln. Doch diese Meinung ist längst wissenschaftlich widerlegt. Abwechslung ist ein Schlüssel zum Erfolg, um entsprechende Lerneffekte zu erzielen.

Die Übungen und Spielformen im Fußballtraining

Diese sind so gewählt, dass die Kinder gezielt aus ihrer Komfortzone gelockt werden, damit ein Lerneffekt eintritt. Das bedeutet, dass es nicht unterfordert wird. Kinder die ständig unterfordert werden, verlieren den Spaß und ebenso verhält es sich mit Kindern die ständig in einem Maß überfordert werden, dass sie die Lösung nicht selbst finden können. Aus diesem Grund ist es enorm wichtig, dass auch innerhalb der Mannschaft entsprechende Gruppen gebildet werden, damit für jedes Kind annährend der Reiz gesetzt wird, damit es etwas lernt und dabei weder zu über- noch unterfordert ist.

Weiters ist das Training so aufgebaut, dass mehr als 2/3 der Zeit mit Spielformen bzw. in spielerischer Form gearbeitet wird, um die Spielintelligenz zu verbessern. Sollte es umgekehrt sein, dass 2/3 der Zeit mit isolierten Übungsformen, Passschleifen oder Rundenlaufen etc. gearbeitet wird, solltet ihr dies unbedingt frühzeitig hinterfragen.
Eine gute Methode, um einfach ein Training zu gestalten, welches das entsprechende Verhältnis von Spielen zu Üben enthalt ist die STS- (Anm. Spielen-Trainieren-Spielen) oder auch GAG-Methode (Anm. Ganzheitlich-Analytisch-Ganzheitlich). In den nächsten Tagen werde ich zur STS-Methode einen eigenen Beitrag schreiben, damit ihr seht, was es damit auf sich hat.

Das Coaching im Fußballtraining

Es gibt einen klaren Unterschied beim Coaching, denn nicht jedes Coaching ist auch wirkliches Coaching. Beim Coaching steht der Coachee im Vordergrund und er ist auch derjenige, der die Lösung in sich hat. Somit stellt ein guter Coach viele Fragen und gibt so gut wie keine Lösungen vor. Wohingegen die „Joystick“ Coaches jede einzelne Aktion ansagen und ständig die Lösungen vorgeben. Ebenso verhält es sich mit Lob und Feedback. Ein guter Coach, weiß wann Lob angebracht ist und wie Feedback vermittelt wird. Lob zur falschen Zeit oder bei unangebrachten Situationen führt dazu, dass das Kind das Vertrauen in den Coach verliert und nicht mehr weiß, ob das Lob ernst gemeint ist.

Auch bei Feedback gibt es verschiedene Methoden, wie es weitergegeben wird. Aussagen wie „Konzentrier dich“, „Spielt Fußball“, „Das habe ich dir schon tausend Mal gesagt“ usw. fallen in die Kategorie NO-GO, denn damit kann keiner etwas anfangen. Besser verhält es sich mit gezielten Fragen wie „Was könntest du das nächste Mal besser machen?“, „Was hast du gerade gesehen?“, „Wie sollte die Fußstellung sein?“, „Wie kannst du deinen Mitspieler helfen?“, „In welchem Moment solltest du dich freilaufen?“ usw.

Wir werden in den nächsten Wochen vermehrt auf das Thema Coaching eingehen und euch hilfreiche Tipps und Tricks an die Hand geben. Bei all unseren Übungen und Spielformen im Blog ist dies zum Beispiel schon der Fall. Dort geben wir zusätzlich zum Übungsdesign auch passende Fragen an die Hand.

Der Trainer / Die Trainerin / Der Coach

Der allerwichtigste Punkt, an dem ein gutes Kindertraining erkannt wird, ist der Trainer, die Trainerin bzw. der Coach. Am Verhalten des Coaches, sehen Elternteile sehr schnell, ob die Kinder in guten Händen sind. Der Coach sollte stehts bemüht sein, dass er das was er sagt, auch selbst vorlebt. Denn Kinder bzw. Menschen behalten und lernen wesentlich mehr von dem was sie sehen und erleben statt von dem was sie hören und erklärt bekommen.

Ein guter Coach ist ruhig und geht behutsam mit auftretenden Problemen um. Er spricht die Sprache der Kinder (Anm. kindgerechte Sprache) und steht als Berater zur Seite. Er schafft es mit sehr wenigen Worten bei den Kindern einen Lernprozess zu starten. So nutzt er gezielte Fragen, um dem Kind bei der Lösungsfindung zu helfen. Er gibt weder Lösungen vor, noch sagt er jeden einzelnen Schritt voraus. Wenn ihr einen Coach seht, der auf dem Platz steht und am meisten Worte von sich gibt, dann könnt ihr euch ziemlich sicher sein, dass er der Hauptdarsteller ist und die Kinder nur das machen, was er ihnen als Anweisung gibt. Die Kinder werden sozusagen Objekte des Trainers und dürfen sich nicht mehr frei entfalten. Dadurch wird die Kreativität stark eingeschränkt und die Kinder verlieren die Motivation und den Spaß am Training.

Der Spaß und die Freude im Fußballtraining

Wenn die oberen Punkte alle beherzigt werden, dann kommt der Spaß und die Freude im Training ganz von allein. Und es ist wichtig, dass diese zwei Elemente in jedem Training vorkommen, denn dadurch steigt der Lerneffekt enorm. Durch die Ausschüttung von Glückshormonen wie Dopamin, wird das neu Erlernte besser und schneller im Gehirn gefestigt. Wohingegen Stresshormone wie Cortisol den Lerneffekt massiv behindern. Wenn also der Spaß zu kurz kommt und der Druck steigt, sinkt der Lerneffekt. Dabei ist es egal, ob es sich um Kinder, Jugendliche oder Erwachsene handelt. Daher seid stets bemüht, dass ihr mit einem Lächeln ins Training startet, viel positive Stimmung verbreitet und die Spieler und Spielerinnen auch Möglichkeit haben zu Lachen.

Fazit

Es gibt noch weitere Indikatoren für ein gutes Kindertraining, doch das würde den Rahmen sprengen bzw. Überschneiden sich viele Elemente im Inhalt. Bei all der Theorie muss auch berücksichtigt werden, dass nicht alle Coaches entsprechend ausgebildet sind bzw. sich selbst ständig weiterbilden. Eine Trainerlizenz ist nicht immer ein Beleg für hohe Fachkompetenz, sondern zeigt einzig und allein, dass einmal ein Kurs besucht wurde. Ob die Inhalte des Kurses auch entsprechend im Fußballtraining umgesetzt werden, ist eine andere Frage und auch, ob der Coach nach dem Kurs sich selbst vertiefend bildet.

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