Kaugummi im Fußball – Warum du während des Trainings und Spiels darauf verzichten solltest.

Kaugummi im Fußball

Heute geht es um ein sehr spannendes Thema – den Kaugummi. Ob Profi- oder Nachwuchskicker, sehr oft sieht man sie mit Kaugummi im Spiel und Training. Viele sind sich nicht bewusst, dass das Kauen eines Kaugummis einen negativen Einfluss auf die sportliche Leistung hat. Was es damit auf sich hat, wird euch Dr. Clemens Burgstaller im Interview erläutern.

Es ist schon eine Weile vergangen, seitdem der letzte Blogbeitrag veröffentlicht wurde. Das hat viele Gründe zum einen laufen aktuell die Sommercamps in Oetz und zum anderen haben wir einige Projekte in Arbeit wie den Aufbau unseres YouTube Kanals.

Während der Fortbildung des Tiroler Fußballverbandes – siehe Bericht – konnte ich mich mit Dr. Clemens Burgstaller unterhalten. Clemens ist Sportarzt und arbeitet unter anderem für die NADA, UEFA, den ÖFB und ist für die medizinische Betreuung des Bundesligisten WSG Swarovski Tirol verantwortlich. Weiters ist er Trainer eines Gebietsligisten in Tirol und im Besitz des UEFA-B Diploms.

In unserer Unterhaltung ging es zuerst um Snus ehe wir auf Kaugummi zu sprechen kamen. Dabei war ich ziemlich überrascht, als er mir erklärte, dass Kaugimmikauen im Fußball mehr Schaden anrichtet, als das es hilft. Warum das so ist, könnt ihr im untenstehenden Interview nachlesen.

Wer bist du und was machst du?

Mein Name ist Clemens Burgstaller, ich bin Unfallchirurg und Orthopäde, des Weiteren Sportarzt und habe mich auf typische Verletzung und Beschwerden von Fußballern spezialisiert. Ich arbeite im BKH Schwaz, bin jedoch auch als Wahlarzt in der Ordination niedergelassen.

Welche Aufgaben hast du beim ÖFB?

Beim ÖFB bin ich im Nachwuchsbereich als Teamarzt tätig und betreue dort in den diversen Lehrgängen/Spielen die Mannschaften.

Welche Aufgaben hast du bei der NADA?

Bei der nationalen Antidoping Agentur (NADA) bin ich als BCO (blood control officer) tätig und mache Dopingkontrollen in Österreich und im nahen Ausland bei Sportlern.

Welche Aufgaben hast du bei der UEFA?

Durch meine Dopingarbeit in Österreich und meine Fußballarbeit habe ich das Angebot bekommen bei der UEFA als DCO (doping control officer) zu arbeiten. Dabei mache ich Dopingtests bei allen UEFA Bewerben mit männlichen Spielern.

Wie hilft dir deine Ausbildung zum Fußballtrainer bei deiner täglichen Arbeit mit Spielern bei der WSG Swarovski Tirol?

Diese hilft mir sehr, da ich als Trainer (UEFA-B Diplom) und durch meine sonstigen Tätigkeiten natürlich die gleiche Sprache spreche wie die Spieler. Ich kenne die Probleme von allen Seiten und hoffe dadurch eine besondere Vertrauensbasis zu haben. Diese ist in der Betreuung von Spitzensportlern unerlässlich.

Wie weit verbreitet ist der Kaugummi unter Fußballspielern?

Ich denke sehr, vor allem bereits im Nachwuchsfußball. Da wir es auch im Fernsehen bei den Profis und Spitzenspielern sehen, wird es auch nachgemacht bzw. für gut empfunden.

Warum nehmen Fußballspieler einen Kaugummi während/vor/nach dem Spiel?

Es ist eine reine Gewohnheitssache und bringt subjektive Sicherheit. Damit ist es schlussendlich positiv hinterlegt und wird somit von Spielern als Ritual genutzt. Sie beruhigen sich quasi mit dem Kaugummi.

Welche Auswirkung hat das Kaugummikauen auf den Organismus und die sportliche Leistung?

Der Kaugummi fördert schlussendlich die Magensäureproduktion. Der Organismus glaubt, dass er bald eine Nahrung bekommt und die Magendurchblutung nimmt somit zu. Im Fußball sollte jedoch die Durchblutung der unteren Extremitäten im Vordergrund stehen und nicht die Aktivierung des Darmtraktes. Somit hat das Kauen eines Kaugummis auch direkten Einfluss auf die sportliche Leistung, da die benötigten Muskeln mit weniger Blut und somit Sauerstoff versorgt werden.

Welche Gefahren entstehen durch das Kaugummikauen?

Die größte Gefahr sehe beim Aspirieren (Kaugummi gelangt in die Atemwege), dies könnte zu lebensgefährlichen Situationen führen. Das kann vor allem im Nachwuchs- und Amateurfußball sehr gefährlich werden, wenn keine medizinische Betreuung vor Ort ist.

Im TV sehen wir sehr oft Coaches, die ebenfalls einen Kaugummi kauen. Gelten die Gefahren auch für sie?

Die Trainer nützen dies wohl zur Beruhigung, gegebenenfalls sind dies auch Nikotinkaugummis um den Rauchzwang zu unterdrücken. Das Risiko bei den Coaches ist überschaubar.
Es wäre sinnvoll, dass ungefähr 30-40 Minuten vor Spielbeginn auf den Kaugummi verzichtet wird. Also zum Beginn des Aufwärmens, sollte der Spieler den Kaugummi nicht mehr im Mund haben.

Ich bedanke mich recht herzlich bei Dr. Clemens Burgstaller für seine Zeit. In Zukunft werden wir sicher wieder das eine oder andere Interview mit Clemens führen.