Verkehrte Welt im Fußball – Ein Beitrag über die Wertigkeit der Trainer im Nachwuchsfußball.

Verkehrte Welt im Fußball

Wir alle kennen die Problematik, doch nur wenige haben den Mut diese offen anzusprechen – die Wertigkeit des Nachwuchsfußballs in Vereinen. Seit mehreren Jahren beobachte ich zahlreiche Amateur- und Profivereine und spreche viel mit Trainern, dabei kämpfen alle imit denselben Problemen, aber geändert hat sich bisher nichts. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, einmal ungeschönt über die Problematik zu sprechen und einigen Vereinsvertretern den Spiegel vorzuhalten.

Die Trainer im Nachwuchsbereich

Viele Trainer arbeiten ehrenamtlich oder für eine minimale Aufwandsentschädigung mit den Kindern. Teilweise sind diese Entschädigungen so gering, dass es nicht einmal die Fahrt- und Telefonkosten deckt. Etwaige Einladungen zum Essen oder einem Eis sind dabei noch nicht berücksichtigt. Wenn ich sage, dass die Höhe der Aufwandsentschädigung zwischen 500,- und 1.500,- pro Jahr liegt, dann ist das sehr wahrscheinlich ein Wert, der der Realität entspricht.

Neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit, sollte er natürlich noch eine Ausbildung haben und die Kinder gut ausbilden. Die Kurse werden zwar meist von den Vereinen bezahlt, aber die Kurskosten sind nichts im Vergleich zu dem, was der Trainer leisten muss – er muss seine wertvolle Freizeit bzw. einen Teil seines 5-wöchigen Urlaubs für die Ausbildung opfern.

Er arbeitet mit Kindern, die teilweise unterschiedlich entwickelt sind und deren Eltern nicht gerade die verlässlichsten sind. Einmal hat er 12 Kinder, dann wieder 16 und ein anderes Mal kommen 8, weil es regnet.

Dann wäre es natürlich auch noch toll, wenn er zusätzlich zum Spiel am Wochenende mind. 2-4 Trainingseinheiten abhaltet und diese natürlich sauber vorbereitet sind. Doch damit nicht genug. Er soll eventuell noch beim Trainerkollegen den Schiedsrichter machen und bei Spielen der Kampfmannschaft und anderen Vereinsveranstaltungen fleißig mithelfen.

Das ist eine Menge Arbeit, die er für ein paar Euro leisten muss. Wenn es ein Nachwuchstrainer gut machen möchte, muss er mind. 10-12h pro Woche für die Betreuung der Kinder inkl. Vor- und Nachbereitung aufbringen.

Wertigkeit des Nachwuchsfußballs
Wertigkeit des Nachwuchsfußballs

Die Trainer im Erwachsenenbereich bzw. der ersten Mannschaft

Kommen wir nun zu den Trainern die mit Erwachsenen arbeiten, also den Trainern der ersten Mannschaft. Diese bekommen, auch in unteren Ligen, teilweise schon Beträge im 5-stelligen Bereich. In der 4. Liga Österreichs gibt es z.Bsp.: Trainer die mehr als 15.000,- pro Saison bekommen.

Auch von diesem Trainer erwartet man sich, dass er eine Ausbildung (UEFA-A / UEFA-B) hat, doch da nimmt man es auch nicht immer so genau und stellt Strohmänner vorne an oder man bezahlt die Verbandsstrafe.

Er arbeitet mit Erwachsenen und kann sich bei vielen Vereinen sogar den Kader selbst zusammenstellen. Hat er Probleme auf der Außenbahn, dann kann er seine Wünsche äußern und meist werden diese auch erfüllt. Die Spieler haben alle ein ähnliches Niveau und sind im Grunde fertig ausgebildet. Denen muss man nicht mehr beibringen, wie man dribbelt oder sich die Schuhe bindet. Er hat im Normalfall auch immer annähernd dieselbe Anzahl an Spielern im Training zur Verfügung und sollte es einmal knapp werden, kann man sich die Spieler aus der zweiten Mannschaft oder der ältesten Nachwuchsmannschaft holen.

Hinzu kommt, dass es mittlerweile auch üblich ist die Spieler der Kampfmannschaft entsprechend zu entlohnen und da sind 4-stellige Beträge durchaus üblich, manche verdienen im Amateurbereich sogar mehr als ein Jungprofi in Österreich – und das für ein Hobby das sie ausüben. Da hast du als Trainer auch ein entsprechendes Druckmittel, sollte die Leistung der Spieler einmal nicht den Vorstellungen entsprechen.

So kann es vorkommen, dass eine erste Kampfmannschaft durchaus 50.000,- bis 150.000,- Euro pro Jahr vom Budget verschlingt und für den Nachwuchs nicht mehr viel übrig bleibt.

Er wird, wie der Nachwuchstrainer auch auf 10-12h pro Woche kommen, diese sind allerdings wesentlich besser bezahlt, obwohl er mit “fertigen” Spielern arbeitet und sich seinen Kader teilweise selbst zusammenstellen kann. Wohingegen der Nachwuchstrainer mit dem Material arbeiten muss, das er zur Verfügung hat.

Wozu führt diese Problematik?

Durch die geringe Wertschätzung und Entschädigung wird es in Zukunft immer schwieriger werden entsprechend viele und qualifizierte TrainerInnen für die Mannschaften im Nachwuchs zu finden. Dies führt wieder darum dazu, dass Mannschaften nicht gemeldet werden können und somit ganze Jahrgänge keine Möglichkeit im Heimverein vorfinden um Fußball zu spielen. Oder es werden Coaches verpflichtet, die weder über das nötige Fußballwissen verfügen oder Grundsätze der Pädagogik kennen.

Durch diese Auswirkung, wird es auch in ein paar Jahren in den ersten Mannschaften weniger einheimische Spieler geben und der Verein muss noch tiefer in die Tasche greifen um Spieler zu verpflichten. Ein Teufelskreis, den alleine die Vereine und deren Entscheider selbst durchbrechen können.