Spielnahes Training – Mit zwei Stürmern zum Torerfolg

Spielnahes Training - Mit zwei Stürmern zum Torerfolg

Letztens habe ich auf der DFB-Training Website eine Live-Trainingseinheit zum Thema “Mit zwei Stürmern zum Torerfolg” gesehen. Die darin vorgestellten Übungen waren zum Großteil ohne Gegnerdruck und das Coaching beschränkte sich auf klaren Anweisungen und dem einstudieren von Automatismen. Daher entschloss ich mich eine alternative Trainingseinheit zu diesem Thema zu erstellen die spielnah ist und Tipps & Tricks zum Coaching vermitteln soll.

Aufwärmen im Mittelkreis

Ziel des Aufwärmen ist es, dass die Spieler ihre Muskeln, Gelenke, Gehirn usw. vorbereiten. Da wir bereits im Aufwärmen mit Störfaktoren arbeiten, müssen die Spieler mitdenken und ihre Freilaufbewegungen entsprechend der Störfaktoren – in diesem Fall das zweite Team – anpassen.

Spielnahes Training - Mit zwei Stürmern zum Torerfolg
Aufwärmen im Mittelkreis

Bevor man zu dieser Übung übergeht, kann man natürlich ein Lauf-ABC, Movement-Preps etc. einbauen, macht die Übungen in den Pausen oder gibt die Lauftechnik beim Wechseln der Positionen vor.

Organisation

Die Spieler in zwei Mannschaften einteilen und gleichmäßig um den Mittelkreis verteilen. Jeweils zwei Spieler einer Mannschaft kommen in die Mitte des Kreises und zwei weitere Spieler außerhalb des Kreises haben jeweils einen Ball am Fuß.

Ablauf

Die Spieler mit Ball am Fuß spielen ihren Mitspieler im Zentrum an, dieser lässt auf den Anspieler klatschen und der Anspieler spielt in die Tiefe auf einen seiner Mitspieler. Der Anspieler wechselt ins Zentrum und der Zentrumspieler übernimmt die Position des Anspielers. Dieser Ablauf wiederholt sich immer wieder, ohne sich wirklich zu wiederholen. Denn bei jedem Anspiel verändert sich auch der Störfaktor – das andere Team – und dadurch ergeben sich andere Pass- und Laufwege. Der Spieler muss sich so bereits im Aufwärmen ständig auf neue Situationen einstellen und sein Verhalten entsprechend anpassen.

Variation

Gegen Ende des Aufwärmens können wir die Intensität steigern und dies erreichen wir, indem wir eine Situation schaffen, in der die Spieler selbstständig die Intensität anpassen müssen um die Aktionen erfolgreich durchzuführen. Wie kann diese Situation aussehen? Wir machen einen Wettbewerb daraus und geben einen aktiven Gegenspieler ins Feld.

Die Organisation ist wie zu Beginn. Zwei Teams verteilen sich um den Mittelkreis und jeweils ein Spieler ist im Zentrum. Nun spielen wir nur noch mit einem Ball und vergeben Punkte für die Angreifer pro erfolgreichem Tief-Klatsch-Tief und für die Angreifer pro erfolgreichem Ballgewinn mit anschließendem Pass zu einem Mitspieler. Dadurch designen wir eine Situation in denen die Spieler von sich aus die Intensität steigern, ohne dass wir als Trainer es ständig einfordern müssen.

Im ersten Bild sehen wir den Beginn des Spiels mit einem Zuspiel zum Spieler im Zentrum, welcher vom Gegenspieler gestört wird und auf den Anspieler klatschen lässt. Der Anspieler startet ins Feld und bekommt umgehend Druck von einem anderen Gegenspieler, welcher neben ihm stand. Die beiden Spieler im Zentrum wechseln nach ihrer Aktion nach Außen.

Nach 2 Minuten wechseln die Aufgaben. Wer hat nach dem ersten Druchgang die meisten Punkte?

Eine weitere Variante wäre, wenn die Aufgaben fließend wechseln. Das bedeutet, wenn rot den Ball gewinnt wechseln umgehend die Aufgaben und blau verteidigt, während rot versucht immer wieder Tief-Klatsch-Tief zu spielen.

Hauptteil – Spiel mit zwei Stürmern mit verschiedenen Lösungsmöglichkeiten

Der Fußball ist ein dynamisches System das auch mit Chaos beschrieben werden kann. Der Spieler muss sich in diesem System immer wieder zurecht finden und schnellst möglich anpassen. Das schaffen wir, indem wir den Spielern im Training verschiedenste Lösungsmöglichkeiten mitgeben, damit er im Spiel mehrere Varianten in seinem Gedächtnis abgelegt hat, welche er entsprechend der Situation abrufen kann. Ein Automatismus sieht im Training gut aus, aber was, wenn im Spiel der Verteidiger sich anders verhält als geplant bzw. keine Hütchen auf dem Platz stehen? Dann kommt relativ schnell folgendes Coaching: “Jungs, im Training hat das doch hervorragend funktioniert, warum schafft ihr es heute nicht?”.

Spielnahes Training - Mit zwei Stürmern zum Torerfolg
Spielnahes Training – Mit zwei Stürmern zum Torerfolg

Organisation

Die Box (Strafraum) bis zur Mittellinie verlängern und an der Mittellinie zwei Minitore postieren, die Anspielstationen für die beiden Verteidiger simulieren sollen. Die Angreifer spielen mit Doppel-6, zwei Stürmern und zwei Flügelspielern außerhalb des Feldes. Die Verteidiger mit zwei Innenverteidiger und einem Tormann.

Ablauf

Die Aktion startet mit einem Dribbling eines Sechsers (links oder rechts). Die Angreifer versuchen über die Flügel und dem Anspiel der beiden Stürmer zum Torabschluss zu kommen und die Verteidiger versuchen es zu unterbinden. Bei Ballgewinn der Verteidiger können sie Punkte erzielen, indem sie in eines der beiden Minitore passen. So lernen die Angreifer auch während dieser Übung stets an die Absicherung zu denken.

Variation

Wenn die Spieler die Situation gegen zwei Verteidiger gut lösen können, ist es an der Zeit, die Situation zu verändern (erschweren), damit sich die Spieler erneut anpassen müssen. Zuerst lassen wir einen Verteidiger aus dem Rücken nachstarten. Sobald sie das entsprechend Lösen können, nehmen wir einen weiteren Verteidiger (Sechser) hinzu, welcher vor den beiden Innenverteidigern agiert.

Tipps & Tricks zum Coaching

Wenn ihr von den Angreifern ein bestimmtes Verhalten sehen wollt, dann seid ihr gut beraten, wenn ihr die Verteidiger entsprechend coacht. Zum Beispiel könnt ihr den beiden Innenverteidigern mitgeben, dass sie nicht mit der Spitze herausrücken sollen und somit für den Stürmer die Möglichkeit besteht sich aufzudrehen. Oder ihr sagt den beiden Verteidigern, dass sie den Abstand zwischen ihnen vergrößern sollen, damit eine größere Lücke entsteht und so der Pass direkt in die Tiefe zwischen den beiden Innenverteidigern möglich wird. Weiters könnt ihr auch das Laufverhalten der beiden Innenverteidiger in der Box verändern. Beim ersten Mal laufen sie bis in den 5-Meter Raum durch, dadurch müssen die Stürmer ihr Laufverhalten ebenfalls anpassen und kurz abbremsen, damit Platz im Rückraum entsteht. Das muss nun auch der Flügelspieler erkennen und den Ball nicht in Richtung erste Stange flach spielen, sondern in den Rückraum, da dort mehr Raum zur Verfügung steht. Hier gibt es noch viel mehr Möglichkeiten, die allerdings auch von eurer Spielidee abhängen können, daher seid ihr hier als Trainer selbst gefragt, weitere Situationen zu designen.

Am besten ihr lasst die Spieler immer zuerst probieren ohne viel Vorgaben und Coaching zu machen. Sie sollen versuchen die Lösung selbst zu finden und ihr als Coach beobachtet die Lösungen und prüft, ob sie gut oder verbesserungswürdig sind. Wenn die Situationen nicht korrekt gelöst werden können, dann ist eine Unterbrechung mit anschließendem Coaching in der Situation angebracht. Das bedeutet ihr seht etwas und dann folgt umgehend die Unterbrechung. Dann beginnt ihr mit Fragenstellungen wie: “Was machst du, wenn der Innenverteidiger mit dir herausrückt?” oder “Was machst du, wenn die Innenverteidiger nahe am Tor stehen? Spielst du den Ball dann zur ersten Stange oder eher in den Rückraum?” usw. Warum Fragen stellen, anstatt Instruktionen zu geben? Weil durch Fragestellungen der Spieler selbst versucht die Lösung zu finden und somit wird sein Denkprozess im Gehirn angeregt und er lernt etwas.

Natürlich könnt ihr die Spieler auch in einem Kreis zu euch holen und erklären, aber was passiert dann? Erstens sind die Spieler raus aus der Situation und zweitens stehen sie nicht mehr dort wo es geschehen ist. So ist es für die Spieler schwierig die Situationen nachzuvollziehen und das Coaching zieht sich in die Länge.

Schlussteil – Der Transfer ins Spiel im 7v6

Am Ende des Trainings wollen wir natürlich wissen, ob die Spieler das vorher erworbene Wissen in eine große Spielform transferieren können. In diesem Fall haben wir uns für ein 7v6 mit Flügelzonen entschieden.

Spielnahes Training - Mit zwei Stürmern zum Torerfolg
Spielnahes Training – Mit zwei Stürmern zum Torerfolg

Organisation

Ein Spielfeld wie in der Zeichnung markieren und zwei Teams bilden. Idealerweise sind die Teams so zusammen gestellt wie in den Übungen vorher, denn ihr wollt ja wissen, ob die Spieler es in eine große Spielform transferieren können. An der Mittellinie oder etwas hinter der Mittellinie (wie im Bild) ein Tor mit einem Tormann platzieren.

Ablauf

Das Spiel startet mit dem Zuspiel des Tormanns auf einen Sechser. Die Flügelspieler befinden sich zu Beginn in den Flügelzonen und machen das Spiel breit. Die Außenverteidiger dürfen die Zone im Zentrum nur dann verlassen, wenn sich der Ball in der Flügelzone befindet. Das selbe gilt für die Flügelspieler der Angreifer. Der Flügelspieler darf erst dann ins Zentrum, wenn der Ball sich in der gegenüberliegenden Flügelzone befindet.

Auch hier könnt ihr als Coach das Verhalten eurer Angreifer verändern indem ihr die Verteidiger coacht.

Variation

Wenn ihr mit den Aktionen eurer Spieler zufrieden seid, könnt ihr die Zonen auflösen und ein freies Spiel daraus machen.