Jedes Kind muss viele Ballkontakte im Training und Spiel haben!

Jedes Kind braucht viele Ballkontakte

Immer wieder liest und hört man davon, dass Kinder im Training sehr viele Ballkontakte haben müssen, damit sie bessere Fußballspieler werden. Doch sind es wirklich die Ballkontakte die einen besser machen?

Viele Ballkontakte braucht das Kind!

Viele Trainer schwören auf viele Ballkontakte in der Grundlagenausbildung, es gibt sogar Übungen die 1000 Kontakte und mehr in wenigen Minuten versprechen. Manche nennen das dann auch Techniktraining und verdienen damit eine Menge Geld. Sehr oft sieht man dabei richtige Hütchenwälder auf Fußballplätzen und die Trainer hört man folgendes coachen: “So viele Kontakte wie möglich! Mit jedem Schritt muss der Ball berührt werden!”. Die Spieler werden also dazu getrimmt, dass sie den Ball in jeder Situation möglichst oft berühren müssen. Doch was will man dem Kind damit vermitteln? Dass viele Kontakte aus ihm einen Lionel Messi, Ronaldo oder Neymar machen?

Was lernt das Kind, wenn es immer viele Ballkontakte verwenden muss?

Kinder haben, im Vergleich zu Erwachsenen, eine besondere Fähigkeit => sie lernen sehr, sehr schnell und saugen alles auf wie ein Schwamm. Das ist auch logisch, denn das Gehirn eines Kindes ist noch nicht so mit Wissen gefüllt, wie das eines Erwachsenen und es wird deswegen weniger kritisch hinterfragt. Wenn wir den Kindern im Training nun beibringen, dass es den Ball möglichst oft berühren soll, dann wird im Gehirn ein Muster dazu abgespeichert. Dieses Muster wird immer stärker, je öfter das Kind dieses Muster verwendet. Es wird sozusagen aus einem Trampelpfad eine Autobahn. Der Spieler wird künftig also immer viele Ballkontakte im Dribbling etc. verwenden. Doch ist das etwas, das wir Coaches sehen wollen oder wollen wir, dass der Spieler die Anzahl der Ballkontakte der jeweiligen Situation anpasst?

Was wollen wir Trainer sehen?

Natürlich wollen wir Coaches sehen, dass der Spieler die Anzahl der Ballkontakte der jeweiligen Situation anpasst. Dass er, wenn er viel Raum vor sich hat, weniger Ballkontakte im Dribbling verwendet, damit er diesen schneller überwinden kann. Dass er, wenn er wenig Raum hat, den Ball enger führt und somit mehr Kontakte verwendet. Dass er in der Box den schnellstmöglichen Abschluss sucht. Da gibt es sicher noch weitere Situationen, in denen ihr etwas anderes sehen wollt, als möglichst viele Ballkontakte.

Ballaktionen statt Ballkontakte

Die oben genannten Beispiele sind allesamt Aktionen die ein Spieler im Fußball durchführt wie z.Bsp.: Tempodribbling, Gegnerüberwindendes Dribbling, Ballhaltendes Dribbling, Torschuss etc. Das bedeutet, dass wir in Zukunft besser von Ballaktionen sprechen sollten, anstatt von Ballkontakten.

Empfehlungen für das Training

Was bedeutet die Konsequenz von Ballaktionen anstatt Ballkontakten für das Training? Im Grunde ist es sehr einfach. Ihr müsst folgende Punkte beim Design eurer Einheit beachten:

  • Spielformen statt isolierte Übungsformen
  • Wenig Stehzeiten
  • Kleine Gruppen
  • Kleine Spielformen
  • Wenig Spieler
  • Viele Bälle – im Kinderbereich gilt, jedes Kind hat einen Ball.

Im Coaching stellt man dem Spieler zum Beispiel folgende Fragen:

  • Wann sollst du viele Kontakte nutzen?
  • Wann sollst du wenig Kontakte nutzen?
  • Wie kannst du einen Raum schnell überwinden – mit vielen oder wenigen Kontakten?
  • Wie musst du den Ball führen, wenn der Gegner nah bei dir ist?
  • Wenn du so schnell wie möglich ein Tor erzielen musst, sollst du dann viele oder so wenig Kontakte wie möglich verwenden?

Abschließend findet ihr noch ein paar exemplarische Übungen und Spielformen, die euch als Inspiration dienen können.