Motivationskiller im Jugendfußball

Motivationskiller im Jugendfußball

Bill Beswick, ein erfahrener Mentalcoach und Sportpsychologe (er war unter anderem tätig bei Manchester United und bei der englischen Nationalmannschaft) nennt zwei große Motivationskiller für Spieler- und Mannschaften.

1. Die Erwartungshaltung

Wenn Spieler Fortschritte machen und sich erste Erfolge einstellen, dann wächst die Erwartungshaltung. Nicht nur bei den Spielern und der Mannschaft, sondern auch bei den Trainern und Eltern. Mit der Erwartungshaltung steigt jedoch der Druck auf die Spieler. Ob und wie Jugendliche mit diesem Druck umgehen können ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Einige können schon im jungen Alter diesen Druck meistern, andere wiederrum brauchen Unterstützung. Je früher Jugendliche lernen, herausfordernde Situationen, wie Stress, Niederlagen oder Fehler zu meistern, desto besser kommen sie voran. Jedes „mentale Werkzeug“ das sie beherrschen, können sie in herausfordernden Situationen bewusst und zielgerichtet anwenden.

Aus der Praxis können wir immer wieder beobachten, wie sehr die Erwartungshaltung von außen, jungen Spielern zu schaffen macht und sogar ihre Karrieren gefährdet. Dazu ein Ausspruch vom ehemaligen Cricket Profi und heutigen Autor Ed Smith:

“Wen die Götter zerstören wollen,
den bezeichnen sie zu Anfang als viel versprechend.”

Sehr oft mache ich die Erfahrung, wie Eltern durch ihr Verhalten Druck auf ihre Kinder ausüben, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein. Wir kennen sicherlich jene Eltern, die laut und unbedacht Aktionen am Spielfeld ihrer Kids kommentieren oder kritisieren. Hier ist es unumstritten, dass sie Druck ausüben. Dann gibt es noch die andere Art von Eltern, die sich während des Spiels ruhig verhalten, aber „nach“ dem Spiel auf ihre Kinder unbewusst Druck ausüben. In dem sie sich zum Beispiel bei Siegen übermäßig euphorisch verhalten oder bei Niederlagen sosehr mitleiden, dass ihre Kinder das Gefühl haben, gute Leistungen sind für die Eltern extrem wichtig und sie wollen sie nicht enttäuschen. Dadurch kommt es bei den Kindern wieder zu großen Erwartungshaltungen und diese führen zu Druck.

2. Die Konsequenz

Je höher das Niveau oder je wichtiger das Match, desto mehr werden die Spieler an die Folgen von Niederlagen erinnert. Das kann bei Spielern wiederum Druck erzeugen und somit innere Blockaden und Ängste zur Folge haben.

Trainer fordern ihre Spieler immer wieder auf „Akzente“ zu setzen und auch mal Risiko zu nehmen. Wenn jedoch einem Spieler im Match ein Fehler passiert, dann kommt von Trainern oft heftige und direkte Kritik am Spieler. Hat der Athlet nicht das nötige Selbstvertrauen, wird er sich im weiteren Spielverlauf eher passiv verhalten und keine Bälle mehr fordern. Im modernen Fußball sind die Trainer gefordert, auf die jeweiligen Charaktere ihrer Spieler individuell einzugehen. Der Trainer muss wissen, wen kann er im Spiel ruhig etwas lauter ansprechen, und wem sollte er mit etwas mehr Bedacht zurufen.

Jugendliche von dieser Bürde befreien

Die Hauptverantwortung von Trainern und Eltern ist es, ihr Spieler/Kinder von dieser Bürde zu befreien und sie stark zu machen, ohne dass diese zu sehr angespannt sein müssen. Mein Tipp dazu:

  • Der Fokus sollte immer auf die Handlung anstatt auf das Ergebnis gelegt werden. Mein Ansatz als Mentalcoach ist – fokussiere dich auf die Handlungen und führe diese exakt aus, dann wird als Folge auch das Ergebnis stimmen. Denken Spieler aber zu sehr an Ergebnisse und Konsequenzen, dann verkrampfen sie und können ihre Leistung nicht abrufen.
  • Fußball soll Spaß machen und mit Leidenschaft gespielt werden. Wenn Kids diese Leidenschaft auf dem Platz leben, dann wird auch das Ergebnis demensprechend positiv ausfallen. Eltern und Trainer können mit ihrem Verhalten maßgebend dazu beitragen.

Es gibt viele kritische Karrierepunkte in der Entwicklung von Spielern. An jedem dieser Punkte ist Erfolg nur möglich, wenn jeder Spieler die mentalen Fertigkeiten hat diese Herausforderungen zu bewältigen.

Von welchen mentalen Fertigkeiten spreche ich hier? Es geht zum Beispiel darum, die eigenen Selbstgespräche bewusst einzusetzen, und diese in herausfordernden Situationen aufbauend und motivierend zu führen anstatt sich selbst zu kritisieren und mit der Aufmerksamkeit zu lange beim Fehler zu bleiben. Oder dass sich Spieler jederzeit in ihre persönliche Zone der idealen Leistungsfähigkeit versetzen können. In dieser Zone können sie klar denken und klare Entscheidungen treffen. Alle diese mentalen Techniken sind erlernbar und helfen Jugendlichen nicht nur beim Sport, sondern auch bei Prüfungssituationen in der Schule oder in weiterer Folge in der Ausbildung.

In meiner Arbeit als Mentalcoach betreue und begleite ich unter anderem junge Sportler auf ihrem Karriereweg und in ihrer Persönlichkeits-Entwicklung.

Be strong,
Wolfgang Seidl
www.mana4you.at